Lilyhammer EP

Erschienen: 11/2016 / Label: HighPass Berlin / Mix: Janco / Master: Norbert Müller / Produziert: Highnicken

LILYHAMMER - EP

LILYHAMMER bedeutet, weg von allem, alles auf Null. Nach mehr als 10 Jahren unter einem anderen Künstlernamen packt Janco seine Koffer, sowie den Hund und ein paar Flaschen Schnaps ein und verzieht sich nach LILYHAMMER. Zurück kommt er mit einer EP, die es in sich hat. Atmosphärische Beats von Highnicken treffen auf ausgefeiltes Storytelling und authentische Texte. Medienwahnsinn, Konsumdauerfeuer, Alkohol, oberflächliche Gewohnheitsfreundschaften, alles hat seinen wohlüberlegten Platz auf der brutal ehrlichen EP gefunden.

Wer Pop oder posierenden Gangsterrap sucht, ist bei Janco falsch. „Das, was ich jetzt mache, war einfach fällig.“, sagt er, wenn man ihn danach fragt, was für Musik er jetzt macht. Janco krempelt die Ärmel hoch und erzählt, von Gesellschaftsfrust, von Isolation, von Illusionen. Nicht mimimi, sondern Ellbogen in die Mainstreamfresse.

Die EP ist konzeptionell angelegt und enthält 5 Songs und ein Feature. Die Beats sind vielseitig, von „ImSesselversinken“ bis „Alle springen“-Feeling ist alles dabei und trägt unverkennbar die Handschrift des langjährigen Wegbegleiters und Highnicken-Produzenten Pero. Textlich bricht Janco mit klassischen Songstrukturen, wenn in einer Strophe alles gesagt wurde, dann wurde eben alles gesagt. Reduzieren und aussortieren, lieber klare Schnitte setzen als sich in Mittelmäßigkeitsgelaber zu verlieren.

Trackliste

1. LILYHAMMER (3:02)

„Komm von allein hier nicht mehr raus…ich hab hier alles, was ich brauch.“
Der hypnotische Einstieg zieht dich direkt nach LILYHAMMER. „Flugmodus an, für keinen zu erreichen, heißt: ruf mich nicht an.“, schon mit der ersten Zeile bricht Janco mit seiner Außenwelt und erklärt, warum er auf den Rest der Welt keinen Bock mehr hat. Rau, ehrlich, tut bisschen weh, aber man bleibt dran. Nicht zuletzt auch wegen des atmosphärischen Beats, der aufgefächert immer feinere Nuancen aufmacht und trotzdem eine Spur Kälte mitbringt.

2. AUF UND DAVON (2:38)

„Ob arm oder reich, ob männlich, ob weiblich oder etwas dazwischen, Gefangene der Bank.“
Dudelsacksample zur Hymne machen? Für Highnicken-Produzent Pero kein Thema. Viel Tempo, Bass, ungewöhnlicher Sound und inhaltlich sicher der angriffslustigste Track. Für Fans von Flow und feinster Doubletimetechnik gibt’s schönste Kopfnickmomente, für alle anderen Ohrwurmpotenzial.

3. FJORD (1:49)

Das einzige Instrumental erinnert ein bisschen an Filmmusik, Melancholie trifft Melodie. Sehr klar und reduziert in deutlicher Abgrenzung von Kitsch, mit pointierten Streicherpassagen und einem sphärenhaftes Motiv, das leicht an die Melodie einer Spieluhr erinnert. Ein Hauch von Isolation, Schönheit und Traurigkeit, bewusst als Einleitung zum zweiten, entschleunigten Teil der EP gedacht.

4. LANG NICHT MEHR GESEHEN feat. SEMIR (1:59)

Janco erzählt, was viele von uns kennen: Er trifft einen alten Freund, der von Projekten, dem Haus, der Familie und seinem Alltag erzählt und dabei aber Welten von dem entfernt ist, was man selber will oder kennt. Der gefühlvolle, aber rau gesungene Refrain von Semir bringt es auf den Punkt: „Wir haben uns lang nicht mehr gesehen. Ich will nicht wissen, wie es dir geht. Ist auch okay.“ Lieber zurück nach Lilyhammer. Minimalistisch, fast schon hart, auf eine Strophe runtergebrochene Lebenswege.

5. 1,8 PROMILLE (2:35)

„Ich spiel gern, dass ich jetzt aufhör, doch hab wieder nichts gelernt.“
Eine Abrechnung mit einem Problem, welches man weder haben noch zugeben will. Textlich authentisch, leicht bitter und reflektiert aber ohne moralischen Zeigefinger oder Besserungsversprechen und mit einwandfreiem Flow über einen facettenreichen und tiefgründigen Beat.